Potenzstörungen: Mangelndes Stehvermögen

Redaktion 5. November 2012 0
Potenzstörungen: Mangelndes Stehvermögen

Potenzstörungen haben oft organische Ursachen. Vielen Männern kann geholfen werden.

Weltweit leiden mehr Männer an Erektionsstörungen, als allgemein vermutet wird: Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass die Erektile Dysfunktion (ED) insgesamt rund 150 Millionen Männer betrifft, in Deutschland sind es vier bis sechs Millionen im Alter zwischen 30 bis 70 Jahren.

Unter Erektionsstörungen, Potenzstörungen oder Impotenz versteht man die Unfähigkeit des Mannes, eine für den normalen Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erlangen oder aufrechtzuerhalten. Klappt das nicht wie gewünscht, können psychische oder organische Probleme dahinter stecken, mit 70 bis 80 Prozent überwiegen jedoch die körperlichen Ursachen bei weitem.

Aus diesem Grunde sollten die Betroffenen nicht zögern – etwa aus falscher Scham -, sich einem Experten anzuvertrauen. Manchmal ist es gerade das Auftreten einer Erektilen Dysfunktion, die auf andere Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, hindeutet. Heute gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Betroffenen zu helfen.

 

Häufige Ursachen

Psychische Probleme

Wenn der Kopf den Spaß verdirbt, kann das liegen an: Leistungsdruck, Versagensängsten, Partnerschaftsproblemen, Depressionen, Stress oder Müdigkeit.

 

Organische Ursachen

Zumeist ist die Potenzschwäche organisch bedingt, etwa durch: Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Erkrankungen des Nervensystems, Hormonstörungen, Nieren- oder Lebererkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Cholesterinwerterhöhung, Nebenwirkung bestimmter Medikamente (z.B. gegen Bluthochdruck), Magengeschwüre, Depressionen.

 

Hilfe

Was man selbst tun kann

– Bei psychischen Problemen ein Gespräch mit der Partnerin oder mit einem Arzt oder Sexualtherapeuten suchen.

– Sich Zeit für den Geschlechtsverkehr nehmen und nicht zu hohe Anforderungen an sich stellen.

– Ein Zuviel an Alkohol und Zigaretten vermeiden.

– Diabetiker sollten den Blutzucker gut einstellen lassen.

– Eine äußerliche Anwendung von gefäßerweiternden Mitteln (z.B. Salben mit dem Wirkstoff Bamethan) ausprobieren. (Präparate mit spanischer Fliege, Strychnin oder Nitroverbindungen – zumeist ausländische Produkte von zweifelhafter Herkunft – haben gefährliche oder zumindest unangenehme Nebenwirkungen. Sie steigern selten die Erektionsfähigkeit.)

– Keine Tabletten (Viagra, Cialis etc.) im Internet kaufen, nur weil sie dort billiger zu haben sind. Oft ist die Herkunft zweifelhaft. Im günstigsten Fall bleibt die erwünschte Wirkung aus, es können aber auch gefährliche Nebenwirkungen auftreten.

 

Was der Arzt tun kann

– Manchmal hilft schon ein Gespräch mit einem Außenstehenden bzw. Experten; wer möchte, kann die Partnerin beim Gespräch mit einbeziehen.

– Ist die Potenzstörung auf ein Medikament zurückzuführen, kann der Austausch gegen ein anderes Präparat schnell die Störungen beheben.

– Manchmal hilft die Einnahme eines verschreibungspflichtigen Hormonpräparates.

 

Sexualtherapie

Sind die Erektionsstörungen seelisch bedingt oder gehen sie auf Partnerschaftsprobleme zurück, ist eine Psychotherapie zu empfehlen, mit Beratung und/oder Verhaltenstherapie, Paar- oder Gruppentherapie und Psychoanalyse. Manchmal ist so eine Therapie auch bei hauptsächlich körperlicher Ursache sinnvoll, da es durch die Störung zu Problemen in der Partnerschaft oder zu Versagensängsten kommt, die die Erektionsstörungen noch verstärken.

 

Tabletten

Die Einnahme von Wirkstoffen, die die Erektionsfähigkeit auf chemischem Wege verstärken, gehört zu den am häufigsten genutzten Methoden (Potenzmittel). Zu dieser Gruppe gehören so genannte PDE-5-Hemmer oder der Wirkstoff Apomorphin. Seit der erste PDE-5-Hemmer Sildenafil (Viagra) im September 1998 auf dem Markt kam, ist er zur wichtigsten Therapieoption bei Potenzstörungen geworden.

2003 kamen mit Vardenafil und Tadalafil zwei weitere Vertreter der gleichen Medikamentenklasse auf den Markt. PDE-5-Hemmer werden in Tablettenform verabreicht. Alle PDE-5-Hemmer (also auch Cialis, Levitra etc.) dürfen von Männern mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Patienten, die Nitrate einnehmen, nicht angewendet werden:

 

Sildenafil

Einnahme vor Geschlechtsverkehr: 60 Minuten

Wirkungsdauer: 4-5 Stunden

evtl. Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Hautrötungen mit Hitzegefühl, manchmal auch Verdauungs- und Sehstörungen, Schwindel.

 

Tadalafil

Einnahme vor Geschlechtsverkehr: 30 Minuten bis 12 Stunden

Wirkungssdauer: bis zu 24 Stunden

evtl. Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, manchmal auch Muskel- und Rückenschmerzen, Hautrötungen mit Hitzegefühl, Schwindel.

 

Vardenafil

Einnahme vor Geschlechtsverkehr: 25 bis 60 Minuten

Wirkungsdauer: 4-5 Stunden

evtl. Nebenwirkungen: Hautrötungen mit Hitzegefühl, Kopfschmerzen, manchmal auch Schwindel, Verdauungsstörungen, Übelkeit.

 

Vakuumpumpe

Bleibt trotz Einnahme der Tabletten der gewünschte Erfolg aus, kann eine Vakuumpumpe eingesetzt werden, mit deren Hilfe Blut in den Penis gepumpt wird. Mit einer speziellen, am Penis angelegten Saugpumpe, wird ein Vakuum erzeugt, so dass Blut in die Schwellkörper einströmt. Diese Methode erfordert etwas Übung, ist aber nebenwirkungsfrei.

 

SKAT und MUSE

Es stehen Medikamente zur Verfügung, die unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr direkt in die Schwellkörper des Penis gespritzt werden (Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie – kurz SKAT) oder als Zäpfchen in die Harnröhre geschoben werden (Mediated Urethral System – kurz MUSE). Viele lehnen diese Methode der Selbstinjektion ab.

 

Operation

Wenn alle Therapieformen versagt haben, sind verschiedene operative Eingriffe möglich, beispielsweise das Einsetzen einer Penisprothese. Dies ist jedoch immer die letzte Maßnahme, weil hierzu die Schwellkörper im Penis entfernt werden müssen – ein Eingriff, der irreversibel ist.

 

 

Text: Marion Hughes

Bild 01: Wenn der Kopf den Spaß am Sex verdirbt, kann das an vielem liegen: Leistungsdruck, Versagensängsten, Partnerschaftsproblemen, Depressionen, Stress oder Müdigkeit. (Quelle: Peter Atkins/Fotolia)

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