Wenn die Seele sich verdunkelt

Redaktion 10. August 2012 0
Wenn die Seele sich verdunkelt

Jeder fünfte Deutsche erkrankt einmal im Leben an einer Depression – aber es gibt Hilfe.

Niedergeschlagenheit ist eines der vorherrschenden Gefühle bei einer Krankheit, deren Name auf das lateinische Wort für „niederdrücken“ zurück geht: „deprimere“. Doch um bei einem Patienten eine echte Depression diagnostizieren zu können, bedarf es zusätzlich zur Niedergedrücktheit weiterer charakteristischer Anzeichen: Eine tief sitzende und alle Lebensbereiche betreffende Freud- und Interesselosigkeit gehört dazu, bei der selbst angenehme Ereignisse wie etwa der Besuch von Freunden nicht mehr helfen, die Stimmung anzuheben. Des Weiteren eine tiefe Energie-, Kraft- und Antriebslosigkeit, die schon einfachste Tätigkeiten wie etwa das morgendliche Aufstehen zu einem wahren Kraftakt macht.

Mit rund 340 Millionen Fällen auf der Welt ist Depression eine der häufigsten Erkrankungen der Seele. Allein in Deutschland, so die Statistik, erleidet jeder fünfte einmal im Leben eine Depression, das sind 20 Prozent. Die Krankheit macht keinen Unterschied zwischen Mann und Frau, zwischen alt und jung oder arm und reich. Depressionen begleiten unseren Alltag und treten in allen Schichten der Bevölkerung auf, es gibt sie in allen Kulturkreisen. Und ist sie erst einmal erkannt worden, bestehen gute Hoffnungen, sie auch zu besiegen.

Doch hier liegt das größte Problem. Denn nicht immer werden die Symptome richtig gedeutet. Die Folge: Oft wird zu spät oder gar nicht behandelt. Im schlimmsten Fall ist der Alltag für die Betroffenen zu einer so großen Last geworden, dass sie im Suizid den einzigen Ausweg sehen. Mehr als 11.000 Menschen nehmen sich in Deutschland Jahr für Jahr das Leben, neunzig Prozent aller Selbsttötungen, so das Kompetenznetz Depression Suizidität, stehen im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung.

 

Welche Arten der Depression sind bekannt?

 

Leichte Depression

Man erkennt sie an einzelnen Symptomen wie allgemeiner Mattigkeit, Schlafstörungen, Neigung zum Grübeln und gesunkener Lebensfreude. Sie lässt sich schnell und gut behandeln, ohne Behandlung kann sie sich jedoch zu einer mittelschweren Depression auswachsen.

 

Mittelschwere Depression

Sie zeigt bereits mehrere der typischen Symptome und führt zu Problemen im Berufs- und Privatleben. Auch hier kann es durch eine rechtzeitige Behandlung schnell zur Bewältigung der Probleme kommen.

 

Schwere Depression

Sie ist eine ernsthafte Erkrankung. Betroffene haben größte Schwierigkeiten, ihr Leben und ganz normale Situationen zu meistern. Oft äußern sie die Absicht, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Bei schweren Depressionen muss ein Facharzt (Psychiater oder Nervenarzt) die Behandlung vornehmen. In besonders schweren Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich.

 

Wie zeigen sich die Symptome?

Die Patienten fühlen sich oft nicht krank, sondern eher unfähig. Sie sind auf ihre körperlichen Symptome konzentriert und glauben nicht an seelische Ursachen für ihr Befinden. Mediziner und Psychologen haben Merkmale zusammengestellt, anhand derer man eine echte Depression erkennen kann: starke innere Unruhe, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, keine Lebenslust, Trostlosigkeit, kein Selbstwertgefühl, schlechte Konzentrationsfähigkeit, die Unfähigkeit, Entschlüsse zu fassen, Selbstanklagen, gestörte Farbwahrnehmung (grau in grau), Selbstmordgedanken, unbestimmtes, schlechtes Befinden auch körperlich.

 

Bipolare Störungen

Bipolare Störungen sind im Volksmund vor allem als manisch-depressive Störungen bekannt (bipolare Manie). Es handelt sich um psychische Erkrankungen, bei denen die Betroffenen unter extrem ausgeprägten, episodisch auftretenden Stimmungen leiden. In gewissen Phasen fühlen sich die Patienten euphorisch und ungewöhnlich fröhlich bis gereizt, in anderen Phasen wieder sind sie sehr traurig und verzweifelt, teilweise bis zur Suizidalität verzweifelt. Die Zeiten zwischen diesen Phasen können sehr stark variieren.

Menschen mit diesen Symptomen muss durch ihr Umfeld geholfen und der Patient sollte betreut werden, um Abstürze zu vermeiden.

Weiterführende Informationen für Patienten, Angehörige sowie Ärzte finden Sie unter https://www.neue-wege-psychiatrie.de.

 

Was passiert im Gehirn?

Bei Patienten mit schweren Depressionen sind verschiedene Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten. Diese Stoffe zur Informationsübermittlung werden von einem Nervenende ausgesandt und sollen am nächsten andocken. Bei einer Depression funktioniert die Informationsübermittlung nicht mehr optimal. Für die Depression sind zwei dieser Botenstoffe besonders wichtig: Serotonin und Noradrenalin.

 

Wie helfen Antidepressiva?

Die gängigsten sind die so genannten Serotonin-Hemmer, die verhindern, dass Serotonin von den Andockstellen an den Nerven (Synapsenspalt) gleich wieder aufgenommen wird. Das Serotonin bleibt dadurch länger im Spalt und wirkt deshalb auch intensiver. Abhängig wird man von Antidepressiva nicht, sie verändern auch nicht das Wesen.

 

Wo gibt es Hilfe?

Das Deutsche Bündnis gegen Depression ist bundesweit in knapp 70 regionalen Bündnissen aktiv und informiert u.a. über Veranstaltungen, Beratungsstellen, Selbsthilfeaktivitäten und Ansprechpartner in Ihrer Nähe.

www.buendnis-depression.de

 

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Kompetenznetz Depression hat zahlreiche Angebote für Betroffene (Selbsttest, Wissensquiz, Erfahrungsberichte, Ratschläge – auch für Angehörige).

www.kompetenznetz-depression.de

 

 

Bild 01: Depression können eine ernsthafte Erkrankung darstellen. (Quelle: Yuri Arcurs/Fotolia)

Text: Marion Hughes/Raufeld, Bearbeitung: Johannes Blatz/intermediport

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