Quereinsteiger Pflegeberufe: Über Umwege in die Altenpflege

Redaktion 20. Juli 2012 2
Quereinsteiger Pflegeberufe: Über Umwege in die Altenpflege

Chance für Quereinsteiger: Im sozialen Bereich ist demnächst mit einem großen Fachkräftemangel zu rechnen.

Unter einem Altenpflege-Azubi stellt man sich für gewöhnlich keinen 44-jährigen Familienvater vor. Michael Mallwitz ist aber genau das. Zuvor hatte er einen anderen Fulltime-Job: Als Hausmann kümmerte er sich um seine zwei Söhne. Schulaufgaben, Wäsche waschen und Kochen stand auf dem Plan. „So lange, bis die Jungs die Grundschule durchlaufen hatten, wollte ich für sie da sein“, sagt der alleinerziehende Vater, „Danach war mein Ziel, wieder zu arbeiten, am liebsten in der Pflege.“ Bereits vor der Familienphase war der gelernte Sanitäter als Pflegehelfer in einer gerontopsychiatrischen Einrichtung tätig gewesen.

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben gelang dem seinerzeit 42-Jährigen über ein Praktikum, in Form eines 400-Stunden-Pflegebasiskurses im Evangelischen Johannesstift in Berlin-Spandau. „Das war wie ein Schlüsselerlebnis“, berichtet Mallwitz, „als Pflegehelfer hatte mich immer gestört, dass ich noch nicht einmal Augentropfen verabreichen durfte.“ In ihm reifte der Wunsch nach mehr Eigenverantwortung und sich zum examinierten Altenpfleger ausbilden zu lassen. Im September 2012 wird Mallwitz seine dreijährige Lehrzeit hinter sich haben und voraussichtlich im Johannesstift bleiben – als staatlich anerkannter Altenpfleger.

Eine Entscheidung mit Weitsicht, denn soziale und pflegerische Berufe sind Berufe mit Zukunft. Im Jahr 2025 werden einer Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes und des Bundesinstituts für Berufsbildung zufolge rund 150.000 Mitarbeiter in Pflegeberufen fehlen. Auch Erzieher werden gesucht, im Jahr 2019 knapp 80.000. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sind auch Ältere gefragt.

Sich mit weit über 30 für einen neuen Beruf zu entscheiden, ist trotz guter Zukunftsaussichten nicht leicht und erfordert Umstellungen im Leben der Betroffenen. Michael Mallwitz ist in seiner Klasse der Älteste, die meisten Azubis sind um die 22 Jahre alt. Aber sein Alter bringt auch Gutes mit sich. Christine Feig, Leiterin der Sozialen Fachschulen im Johannesstift, sieht gerade in älteren Azubis viel Potenzial: „Wer schon etwas Lebensreife mitbringt, kann sich noch besser auf die Bedürfnisse der Bewohner einstellen.“ Dies bestätigt Anke Koallick, Leiterin der Kita Sonnenland in Potsdam: „Wir nehmen gern ältere Auszubildende, da sie sich meistens bewusst für diese Ausbildung entscheiden und keine falschen Erwartungen haben.“ Auch mit ihrem neuen Azubi Peter Chivers, 38 Jahre alt, ist sie zufrieden: „Er kommt bei den Kindern sehr gut an, weil er eine positive Ausstrahlung hat.“ Dabei war der Weg zur Ausbildung steinig. Zwar hatte Peter Chivers bereits während seines Studiums als Betreuer in Ferienlagern im sozialen Bereich gearbeitet, „aber erst jetzt habe ich einen machbaren Weg gefunden, mich in die Richtung zu qualifizieren“, sagt der Engländer. Vor zwölf Jahren kam er der Liebe wegen nach Deutschland und arbeitete in Jobs, die für einen englischen Muttersprachler naheliegend sind, etwa als Übersetzer oder als Call Center Agent.

„Ich habe viel Zeit verloren“, sagt Chivers, „weil mir immer ein Abschluss gefehlt hat.“ Seit August macht er eine berufsbegleitende Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher bei der Hoffbauer-Stiftung in Potsdam, die zur Diakonie gehört. Drei Tage die Woche ist er in der Kita Sonnenland, die Theorie lernt er an der diakonischen Fachschule für Sozialwesen und der Berufsfachschule Soziales in Potsdam.

Ein wichtiger Punkt in der Pflege, wie auch in der Ausbildung, ist die Einhaltung und das Erlernen der Praxis- und Expertenstandards, die vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (kurz: DNQP) zur Förderung der Pflegequalität in der Alten- und Krankenpflege entwickelt werden.

 

Hygieneanforderungen, ein wichtiges Thema

Das Hygiene in jedem Bereich der Medizin und Pflege ein wichtiges Thema ist, dürfte mittlerweile keine Überraschung mehr sein. Die Anforderungen sind seit der Einführung der MDK Anleitung zur Qualitätsprüfung in ambulanten Pflegediensten noch einmal deutlich gestiegen. Ferner führt der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) Kontrollen durch, um zu prüfen, ob die festgelegten Regelungen im Pflegealltag umgesetzt werden. Notwendige Kenntnisse über ein angemessenen Hygienemanagement sind daher essentiell.

 

 

Tex: Ulrike Pape/Raufeld, Redaktion GesundSuchen.de

Bild 01: Ältere Auszubildende entscheiden sich meistens bewusst für die altenpflegerische Ausbildung und haben keine falschen Erwartungen. (Quelle: brankatekic/Fotolia)

2 Comments »

  1. Confianza 13. September 2013 at 14:11 - Reply

    Ich glaube auch, dass es ätleren Azubis leichter fällt, Berührungs-Hemmungen zu verlieren. Man hat ja doch mehr Erfahrung mit Menschen, als so ein junger 20-Jähriger/Jährige.

    LG,
    Jonas

  2. Confianza 17. Oktober 2013 at 13:22 - Reply

    Ich wünsche Herrn Mallwitz weiterhin viel Kraft und Glück auf seinem weitern Wege.
    Sehr interessanter Artikel!

    LG,
    Sandra

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