Kochen für den Kopf

Redaktion 27. April 2012 0
Kochen für den Kopf

Denkt man an lukullische Genüsse, dann spricht man üblicher Weise von Gaumenfreuden. Denn schließlich sollen ja mit den fachkundig zubereiteten Köstlichkeiten auf dem Teller die Zunge gekitzelt und der Geruchssinn umschmeichelt werden. Doch Riechen und Schmecken sind oft nur vordergründige Sinnenfreuden. Tatsächlich sind es in erstaunlich zahlreichen Fällen nämlich nicht die Geschmacksknospen und nicht die Riechzellen, die ins Reich der Träume entführt und verführt werden sollen, sondern jene Gehirnzellen, die für das Empfinden von Lust- und Rauschzuständen zuständig sind. Viele Formen der Lebensmittelzubereitung und des Würzens dienen, im glasklaren Licht der Neurochemie betrachtet, lediglich der raffinierten Stimulierung unseres Oberstübchens. Und das gilt nicht nur für das inzwischen sattsam bekannte Feld der aphrodisierenden (also den Eros anstachelnden) Speisen, die ja bekanntlich vom Tisch direkt ins Bett führen können.

 

Ganz legale Drogen aus dem Gewürzregal

Während Cannabis & Co. der Kampf angesagt ist, schlummern zur selben Zeit im selben Land in harmlos anmutenden Töpfchen und Streuern aromatische Substanzen, die es in ihrer psychotropen Potenz durchaus mit THC und ähnlichen Stimmungsmachern aufnehmen können. Das bekannteste Beispiel dafür dürfte die Muskatnuss sein. Schon die Großmutter wusste, dass frisch von der Nuss abgeriebenes Muskatpulver in der richtigen Dosierung zu veränderten Sinneswahrnehmungen und zu wilden Träumen führen kann. Leider ist Muskatnusspulver im Übermaß durchaus unbekömmlich bis giftig, so dass viele Versuche, sich am Gewürz zu berauschen, von einer fehlerhaften Dosierung vereitelt werden. Da greift so mancher bequeme Genussmensch doch lieber zum frischen kühlen Bier. Denn der dort verarbeitete Hopfen ist, rein lebensmittelpharmakologisch gesehen, ein erstaunlich naher Verwandter der Cannabispflanze. So führt das gesellige „Prosit“ in bierselig gemütlicher Runde sowohl zu einem Alkoholrausch als auch zu einer Art des flüssigen Kiffens. Wer auf die Wirkungen des Alkohols gut und gerne verzichten kann, hätte auch die Möglichkeit, den getrockneten Hopfen in der Pfeife zu rauchen. Das haben durchaus schon viele Naturheilkundler in eigener Sache bereits erprobt.

Wer nun mit Vorsatz auf den Geschmack fürs Gehirn kommen möchte, dem sei die Lektüre des Aufklärungsbuches „Opium fürs Volk“ wärmstens anempfohlen. Dort kann man übrigens auch staunend nachlesen, warum man durch das Mitführen größerer Mengen Weihrauch durchaus gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen würde.

 

 

Text: Carina Collany

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