Morbus Alzheimer – Wenn einem die Welt verloren geht

Redaktion 12. Juli 2011 0
Morbus Alzheimer – Wenn einem die Welt verloren geht

Leichtfertig spricht man zuweilen aus, wenn man etwas vergessen hat, man leide wohl an „Alzheimer“. Was diese Krankheit jedoch wirklich bedeutet, vermögen lediglich die Betroffenen, vor allem aber auch deren Angehörige zu beschreiben. Morbus Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz-Erkrankungen bei älteren Menschen, eine Hirnleistungsstörung, die sich nur verlangsamen, aber leider bislang nicht heilen lässt.

 

Was im Gehirn passiert

1901 entdeckte und untersuchte (nach ihrem Tod im Jahre 1906) der deutsche Neuropathologe Alois Alzheimer an einer 51-jährigen, schwer geistig verwirrten Patientin diese „Krankheit des Vergessens“, wie er sie bildhaft und treffend nannte. Grund für diese Erkrankung, die in den meisten Fällen langsam, aber kontinuierlich und unaufhaltsam fortschreitet, sind Veränderungen im Gehirn. Vermehrte Eiweißablagerungen zwischen den Zellen blockieren die Nervenbahnen, die Hirnsubstanz schrumpft folglich durch den Zell-Abbau. Gedächtnis, Denkleistung, Sprache, Konzentration und Aufmerksamkeit des Erkrankten lassen mehr und mehr nach.

 

Symptome und Verlauf der Demenz-Erkrankung

Neben dem langsamen Verlust des Gedächtnisses, der Konzentration und der Aufmerksamkeit treten bei den verwirrten Patienten Unruhe und Verwirrtheit auf. Hilflosigkeit bei alltäglichen Verrichtungen stellt sich ein, Bewegungs- und Handlungsabläufe können nicht mehr richtig koordiniert werden, Dinge werden an die unmöglichsten Orte verlegt und nicht mehr wieder gefunden. Worte werden verwechselt oder Namen von Menschen oder Dingen können nicht mehr genannt werden. Es fällt dem Betroffenen schwer, Gespräche gedanklich mitzuverfolgen und zu verstehen, worum es geht. Das Kurzzeitgedächtnis setzt aus, eine Orientierungsschwäche tritt auf. Mit der Zeit verändert sich auch die Persönlichkeit des Patienten. Ein Leben ohne Betreuung und Beaufsichtigung ist nicht mehr möglich.

Der Selbsthilfegruppe „Alzheimer Angehörige Austria“ zufolge erkranken bisweilen nur etwa 1 bis 2 Prozent der unter 65-jährigen an Alzheimer, aber bereits 8 Prozent der ab 75-jährigen und bereits unglaubliche 25 bis 30 Prozent der ab 85-jährigen Menschen.

 

Während im Frühstadium meist nur leichte Vergesslichkeit, eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses, der Sprache, dem Wortverständnis und in der Orientierung zu merken ist, ist die Bewältigung des Alltages für den Betroffenen im mittlerem Stadium oft nicht mehr denkbar. Zusätzliche körperliche und psychische Belastungen wie Blasenschwäche (Inkontinenz), Angstzustände, aber auch Wahnvorstellungen und Depressionen  treten auf. Im Endstadium bedarf der Erkrankte einer durchgehenden Pflege und ständiger Aufsicht. Er kann sich an beinah nichts mehr erinnern und sich kaum noch gezielt bewegen.

 

Behandlung: Je früher, desto besser

Eine frühzeitige Diagnose ist bei Morbus Alzheimer überaus wichtig. Je früher man die Krankheit mit Medikamenten und Therapien abfängt, umso eher lässt sich der Verlauf verzögern. Neurologen in Memory Kliniken und Gedächtnisambulanzen unterstützen Betroffene mit medikamentöser Behandlung aber auch nichtmedikamentösen Therapien wie u.a. Ergo-, Physio-, Psycho- und sogar Musiktherapien. Ein regelmäßiges Gedächtnistraining kann ebenso helfen, die fortschreitende Hirnleistungsminderung ein wenig aufzuhalten.

 

Vorbeugung

Filmstar Dennis Hopper (71) nannte kürzlich regelmäßigen Drogenkonsum als vorbeugendes Mittel gegen Alzheimer. Er rauche immer noch regelmäßig Marihuana, das schütze ihn u.a. vor einer Demenz. Diese wohl nicht ganz Ernst zu nehmende Aussage eines exzentrischen Schauspielers, dessen Lebenslauf sich wie ein Krimi liest, darf man natürlich nicht ernst nehmen.

Ernsthafte Vorbeugungsmaßnahmen jedoch sind nicht wirklich möglich, da man die Ursache der Alzheimer Erkrankung noch nicht erforschen konnte. Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder eine Schilddrüsen-Unterfunktion fördern z.B. Untersuchungen zufolge eine spätere Demenz. Ebenso frühere Kopfverletzungen und Alkohol- und Nikotinmissbrauch.  Außerdem sind angeblich 10 Prozent aller Alzheimer-Fälle genetisch bedingt. Somit erhöht eine Demenz-Erkrankung im familiären Vorfeld ebenso das Erkrankungsrisiko.

 

Pflege durch Angehörige überaus wichtig

Die Pflege eines an Alzheimer Erkrankten stellt eine hohe Belastung für dessen Angehörige dar. Eine liebevolle Umgebung ist aber für die Verzögerung des Krankheitsverlaufes überaus wichtig. Geduldiger und ruhiger Umgang hilft dem Patienten, mit seinen durch die Verwirrtheit ausgelösten Ängsten und seiner Unruhe fertig zu werden. Aggressionen, die der Patient zwischenzeitlich heraus lassen muss, dürfen nicht persönlich genommen werden. Außerdem können Angehörige dem betroffenen Familienmitglied bei der Verlangsamung seines Gedächtnisschwundes helfen, indem sie ihm laufend Fragen zum Alltag und zur Vergangenheit stellen und ihn somit fordern. Hier muss jedoch viel Geduld an den Tag gelegt werden. Überforderung ist dabei genauso schlecht wie geistige Unterforderung.

Zudem sollte für genügend Bewegung gesorgt sein, denn ein reger Körper belebt auch den Geist. Der Tagesablauf sollte jeden Tag derselbe sein. Verwirrende Situationen sollen vermieden werden.

Verschiedenste Selbsthilfegruppen helfen wiederum betroffenen Angehörigen bei der Bewältigung dieser schweren Aufgabe, einen geliebten Menschen beim fortschreitenden Verlust seiner Welt beobachten zu müssen.

 

Kann Eisenkraut das Vergessen stoppen?

 

 

Autorin: Manou Rade

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