Bio-Hautcreme: So kann Naturkosmetik von Etikettenschwindel unterschieden werden

Redaktion 12. Juli 2011 0
Bio-Hautcreme: So kann Naturkosmetik von Etikettenschwindel unterschieden werden

Öko boomt auch auf der Haut: So kann Naturkosmetik von Etikettenschwindel unterschieden werden.

Chemiefreie Rosencreme, Avocadomilch oder Zahncreme mit Olivenblattextrakt – Naturkosmetik liegt im Trend. Allein die deutschen Hersteller von Biokosmetik freuten sich 2010 über ein Umsatzplus von sieben Prozent. 5,6 Prozent des Gesamtumsatz geh an die Biokosmetik, Trend stark wachsend. Denn wie bei Bio-Milch oder Bio-Brot wählen immer mehr Kunden auch Shampoos, Duschgels oder Cremes aus natürlichen Rohstoffen als Alternative zu synthetischen Produkten.

In Duft oder Anwendung unterscheidet sich Naturkosmetik heute kaum von konventioneller Ware. Hersteller von echten Naturkosmetik-Produkten setzen ausschließlich pflanzliche Öle, Fette, Wachse sowie pflanzliche Zutaten wie Kräuterextrakte ein – möglichst aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildsammlung. Dies kann für Allergiker wichtig sein. Die Hersteller verzichten zudem weitgehend auf den Einsatz von synthetischen Mitteln. Tierversuche sind tabu. Auch das Prozedere ist ein sanfteres als bei der Herstellung herkömmlicher Kosmetik. Öle werden beispielsweise ohne Hitze aus den Samen gepresst.

 Allerdings ist nicht überall, wo „Bio“ auf dem Cremetiegel steht oder schwammig mit „Natur“ geworben wird, auch Bio drin. Wie gerne Hersteller von Pflegelotionen und Duftwässerchen schummeln, hat auch die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert – und einige Beispiele von Etikettenschwindel präsentiert. Von den auf der Verpackung abgebildeten Pflanzen sind im Produkt, wenn überhaupt, meist nur verschwindend geringe Anteile enthalten – und die sind in den seltensten Fällen tatsächlich ökologisch angebaut. „Das ist Irreführung“, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Dem Verbraucher soll suggeriert werden, er kaufe Naturkosmetik, aber das ist schlichtweg falsch.“

Dass so mancher Hersteller sein Produkt Naturkosmetik nennen darf, obwohl die Rohstoffe nicht nur aus der reinen Natur stammen, hat einen einfachen Grund: Anders als bei Lebensmitteln ist der Begriff „Bio“ bei Kosmetik nicht gesetzlich geschützt. Hinzu kommt, dass bei Naturkosmetik nicht alle Rohstoffe immer und ausschließlich aus der Natur zu gewinnen sind. Die Folge: Auch die Naturcreme kann künstliche Duft- oder Konservierungsstoffe enthalten.

Echte Naturkosmetik erkennt der Verbraucher nur schwer auf den ersten Blick. Ein international gültiger Standard mit entsprechendem Label fehlt bislang für Kosmetikprodukte – trotz des ersten Versuchs einiger Hersteller und Zertifizierer, über die Minimalkriterien des Cosmetic Organic Standard (www.cosmos-standard.org) einheitlich zu definieren, was Naturkosmetik überhaupt ausmacht und welche Rohstoffe hierfür in welchem Umfang verwendet werden sollen. Zwar müssen die Hersteller die Inhaltsstoffe auf der Verpackung abdrucken. Diese Informationen auf dem Etikett sind jedoch für den Kunden wenig hilfreich, kritisiert Silke Schwartau: „Die Angaben sind häufig auf Englisch und mit so vielen chemischen Fachbegriffen durchsetzt, dass die meisten Kunden überfordert sind.“

Allerdings können sich Konsumenten an einigen seriösen Siegeln orientieren. Das Prüfzeichen „Kontrollierte Natur-Kosmetik“ (www.kontrollierte-naturkosmetik.de) des Bundesverbandes Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen (BDIH) zeigt dem Kunden, dass Öle, Fette und Wachse zu hundert Prozent pflanzlicher Herkunft sind – und auch soweit wie möglich aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Tier- und Artenschutz spielt eine Rolle, und auf künstliche Stoffe wird verzichtet. Auch das Natrue-Label (www.natrue.org) des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel unterscheidet dabei natürliche, naturidentische und naturnahe Rohstoffe. Auf den Internetseiten beider Siegelorganisationen findet sich eine Auflistung der Marken, die das Siegel tragen.

             

Naturkosmetik finden Verbraucher nicht nur im Bioladen oder Reformhaus, sondern auch im Supermarkt und Discounter – dort teilweise sogar als eigene Produktlinien. Zu den etablierten Marken zählen etwa Dr. Hauschka, Lavera, Weleda, Martina Gebhardt, Primavera, Sante, Demeter, Alva oder Logona. In den dm-Märkten heißt die Hausmarke Alverde, bei Rossmann Alterra, bei Müller Terra Naturi. Der Discounter Lidl hat die grüne Kosmetikmarke Suhada eingeführt, Kaufland Indra, Edeka Nature Friends, Plus Blütezeit, und Aldi die Marke Lacura.

Wie steht es aber mit der Qualität? Obgleich Bio-Hautcremes, -Lotions oder -Gels nach Angaben des Verbrauchermagazins Ökotest heute schon so gut anzuwenden sind wie konventionell hergestellte Cremes, wirken doch einige Naturkosmetikprodukte nicht so gut wie übliche Kosmetika: Nagellack, tränenfeste Wimperntusche oder wirklich kussechter Lippenstift in Knallfarben ließen sich nun mal nicht rein ökologisch herstellen, so die Prüfer. Hier gehe nichts ohne chemische Lösemittel oder Synthetik. Auch Öko-Deos, so Ökotest, seien eher „Achselwischerei“.

 

Bild 01: Hautcremes mit Olivenöl sind beliebt. Aber nicht immer handelt es sich auch um Naturkosmetik. (Quelle: evgenyb/Fotolia)

Bild 02: Ein verlässliches Siegel, das Cremes als Bio-Produkt ausweist, ist das Prüfzeichen „Kontrollierte Natur-Kosmetik“. (Quelle: BDIH)

Bild 03: Auch das Siegel der Organisation Natrue des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel weist auf Verpackungen aus, ob es sich bei den Inhaltsstoffen um natürliche, naturidentische oder naturnahe Rohstoffe handelt. (Quelle: Natrue)

 

Autorin: Susanne Knoller/Raufeld

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